Harburg - Wilhelmsburg Berthold - Denkmal

   


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Karten-Nr.: 218
Kategorie: Denkmäler
Serien-Nr.:
Stempel:
Verlag: Buchdruckerei Hans Görbing, Heimfelder Str. 21
Zustand: Neuwertig
Format: Klein
Farbig: Nein
Gelaufen: Nein
Teil einer Serie: Nein
Objekt noch existent: Nein
Geo-Koordinaten: 53.464856, 9.959663

Hier sieht der Betrachter eine nach 1933 gedruckte Harburger Ansichtskarte mit sehr kontrovers diskutierten Motiven.

Zu sehen sind drei Photographien der Knabenschule, des Berthold Denkmals und der Bertold Schule.

Die Berthold Schule entstand von 1908 bis 1909 nach Plänen des Harburger Stadtbaurates Friedrich Homann in der Heimfelder Woellmerstrasse Nr.1.

Die Schule war als Mittelschule für Mädchen geplant und hiess daher auch seit Ihrer Einweihung am 18. Oktober 1909 nur kurz "Neue Mittelschule".

Die Mittelschule wurde am 15. März 1920 weit über Harburg hinaus bekannt, als sich dort eine 700 Mann starke Soldatentruppe, geführt von Weltkriegsveteran und Fliegerheld Hauptmann Berthold verschanzte. Berthold war mit 44 Flugzeugabschüssen und Träger des Pour Le Merite Ordens für viele ein Kriegs- und Nationalheld.

Die sogenannten Baltikumtruppen kamen mit der Eisenbahn aus Stade und waren auf dem Weg nach Hamburg, um mit Waffengewalt den Kapp-Putsch, der in Berlin ausgebrochen war, zu unterstützen.

In Harburg wurde Ihr Zug jedoch an der Weiterfahrt gehindert, weshalb die Soldaten nach Heimfeld marschierten. Hier wollten sie sich in der nahegelegenen Kaserne mit Waffen und Munition auszurüsten. Sie hofften wohl auch (jedoch vergebens), dass sich ihnen die Harburger Pioniere anschliessen würden.

Die Mittelschule wurde von den Truppen kurzerhand besetzt.

Nach kurzer Zeit war die Schule von Harburger Einwohnern, der Einwohnerwehr und Soldaten des Pionierbataillons umringt und man verhandelte viele Stunden mit den Baltikumtruppen um deren Aufgabe.

Während dieser Verhandlungen lösten sich Schüsse und bald darauf war die Mittelschule Ort einer wilden Schiesserei, in deren Verlauf 16 Personen getötet und 62 verletzt wurden.

Am Ende dieser Schiesserei stand die Kapitulation des Hauptmann Berthold und seiner Truppen. Im Lokal "Zur Rennbahn" nebenan wurde Berthold verhört, als das Lokal von der wütenden Harburger Menge gestürmt und der Hauptmann nach draussen gezerrt wurde um sogleich mit Gewehrkolbenschlägen und 6 Gewehrschüssen getötet zu werden.

Hauptmann Berthold wurde später auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt. Der Fall wurde noch lange staatsanwaltlich untersucht, die Mörder konnten jedoch nie ermittelt werden. Der 15. März 1920 ist als "Harburger Blutmontag" in die Geschichte eingegangen.

Am 31. Mai 1933, im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wird vor der Schule der Berthold Stein als Denkmal der Nationalsozialisten an Hauptmann Bertold und seinen "ruhmreichen Kampf" enthüllt. Kurz vorher, zum 13. Todestages des Hauptmanns, wird die Mittelschule zum Gedenken an Ihn von den Nationalsozialisten in Berthold Schule umbenannt.

Der Stein wird zum braunen Kultobjekt und ist in der NS-Zeit häufig das Ziel von Gedenkfeiern und Fackelumzügen. Der Stein ist nach dem Krieg entfernt worden, sein Verbleib ist ungeklärt.

Das Schulgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Anfang der 1950er Jahre wurde es vereinfacht wieder aufgebaut. Heute wird das Gebäude von der nahen Technischen Universität Hamburg - Harburg genutzt und steht seit kurzem unter Denkmalschutz.

Eine weitere Ansicht:

Harburg - Wilhbg. Berthold - Schule mit Gedenkstein
 

Kommentare

Rudi Raab, 10.04.2009  
Als ich 1952 hier in die erste Klasse der damaligen Woellmerschule, eine Grundschule fuer Jungen eingeschult wurde, waren wir der erste Jahrgang, der nicht mehr im Schichtunterricht erzogen wurde. Viele Schulen waren durch die Bombenangriffe zerstoert worden und die erhaltenen Schulen unterrichteten morgens und auch am Nachmittag fuer eine zweite Schule. Meine Lehrerin in der ersten Klasse war eine Frau Giller. Sie war Segelfliegerin. Ich war fasziniert. Nach Auswanderung in die USA, Nach Dr. phil in Mediaevistik folget ich ihr dann. Seitdem fliege ich von der San Franziko Gegend oft nach Nevada. Ueber Half Dome in Yosemite denke ich oft and Frau Giller.